William Parker/In Order to Survive: ShapeShifter Live Review – rasselnd rebellischer Avantgarde-Jazz

William Parker/In Order to Survive: ShapeShifter Live Review – rasselnd rebellischer Avantgarde-Jazz

er Pinguin Guide to Jazz auf CD bezeichnete den in der Bronx geborenen Bassisten und Komponisten William Parker einmal als “das einflussreichste Bassis/Führungskraft seit Mingus”. Es war ein großer Applaus, denn Parker war ein strengerer Künstler als Charles Mingus (ein charismatischer Weber von Gospel, Blues und eleganter ellingtonischer Harmonie), aber er war eine drei Jahrzehnte lange Inspiration für musikalische Abenteurer. Beeinflusst von dem einzigartigen Pianisten Cecil Taylor (seinem ehemaligen Chef), Sun Ra und dem “Conduction”-Innovator Butch Morris, hat Parker auf tiefe Ressourcen aus der Jazztradition, aus den kulturellen Wurzeln Afrikas und Amerikas sowie aus dem europäischen Freejazz zurückgegriffen.

Parker startete sein Small-Band-Projekt In Order to Survive 1993 mit dem Postbop-to-Free Pianisten Cooper-Moore, und dieses Live-Set aus Brooklyns ShapeShifter Lab im Jahr 2017 schließt sich dem Paar mit dem Ornette Coleman-esken Altsaxisten Rob Brown und dem brummend dynamischen Schlagzeuger Hamid Drake an. Eine fünfteilige Suite, Eternal Is the Voice of Love, öffnet sich als ätzend getönte Free-Jazz-Sway, aber die robuste, intuitive Harmonie der Gruppe ist immer präsent. Ein lang aufgeschobener Parker-Basshaken löst einen holprigen Groove aus, der Leader spielt eine zitternde Flötenpassage, die an eine spirituelle grenzt, Drum & Bass Interlude pitcht und klappert wie ein alter Zug, und der Titeltrack startet einen trampenden Rock-Backbeat, damit Brown jammern und um Parkers taumelnde, heiser schreiende Wiederholung der Titelwörter kreisen kann. Das ist Musik aus der rebellischen Sensibilität der afroamerikanischen Jazz-Avantgarde der 60er Jahre – aber sie ist markant einladend, zeitgemäß und immer willkommen.

Auch in diesem Monat erhältlich
Der 77-jährige Chick Corea spielt sein 1976 erschienenes My Spanish Heart Album und weitere mit Antidote (Verve), einem hornreifenden, flamenco-starken Oktett-Set mit dem eloquenten panamaischen Sänger Rubén Blades. Die Musik klingt gelegentlich überaus zufrieden mit ihrer eigenen geschmeidigen Eklektizismus, aber die Perkussion ist spannend, das Solo erfinderisch und es gibt einige zeitlose Corea-Klassiker.

Gabriel Grossi’s #motion (Whirlwind) ist ein natürlicher klingender Live-Jam, der melancholische, rollende brasilianische Hymnen und die legendäre Hermeto Pascoal, die Gesang und Kauderwelsch mit dem Publikum verbindet.

Die britische Sängerin Brigitte Beraha’s leise schwungvolle Pitching und entspannte Groove-Stretching haben noch nie besser geklungen als auf Babelfish’s Once Upon a Tide (Moletone Records), und die Trichotomy-Trios Sean Foran und Stuart McCallum, australischer Pianist bzw. Manchester-Gitarrist, kommen für die ambient-zu-proggy, manchmal Pat Metheny-ähnliche Melodien auf Counterpart (Naim Records). Es ist ein wenig smooth-jazzy, aber offensichtlich das Ergebnis einer echten Kompatibilität.