Utopia-0

UTOPIAN IN RESIDENCE – PAZZ – REALITY RESEARCH CENTER BLOG

UTOPIE-FORSCHUNG, 1. BERICHT

Hallo,

ich bin Pekko Koskinen vom Reality Research Center – einer der beiden Utopisten in residence beim PAZZ-Festival.

Sie wundern sich vielleicht, was ein Utopist in residence ist. Hier die Antwort: Utopisten benutzen alltägliche, gewöhnliche Situationen als Ausgangspunkt ihres Werks. Sie fragen: Was können wir aus unseren Gesprächen, Treffen in Cafés, einem Spaziergang auf der Straße usw. schöpfen?

Solch eine Schöpfung entsteht immer in Zusammenarbeit mit den Leuten um uns herum, meistens basiert sie sogar auf deren Ideen, nicht unseren eigenen. Inmitten von alltäglichen Begegnungen entwickeln wir Ansätze, die das Konventionelle und Alltägliche in etwas Persönliches und Originelles verwandeln können. Neue Arten zu sprechen, neue Wege einander zu begegnen, neue Konventionen für unser Leben usw.

Was uns zum aktuellen Gegenstand unserer Arbeit führt: einem Performance-Festival. Liegen Festivals nicht meistens außerhalb unserer täglichen Wirklichkeit und sind Ausflüge ins Unkonventionelle?

Ja… und nein.

Meiner Meinung nach sind Festivals Monster mit höflichem Benehmen: Sie verändern Alltagsregeln, indem sie Ausnahmen in die Normen pflanzen, nach denen wir leben. Mit diesen Mutationen tauchen jedoch neue Normen auf. Radikales Verhalten innerhalb der Performances wird begrenzt durch vielschichtige Regularien: Bühnen, Zeitfenster, Namen und Kategorien. Indem die Radikalität in Ordnungsmäßigkeit eingeschlossen und der Schlüssel an die Welt außerhalb abgegeben wird, erhält die Radikalität ihr Existenzrecht auf der Welt.

Oder konkret: Festivals bringen Eingangskontrollen, Kartenverkauf, Cafés und Bars mit sich, alles entliehen aus der Bibliothek der alltäglichen Konventionen. Festivals sind Wesen mit monströsem Herz, die meistens ansehnliche Kleidung tragen und sich anständig benehmen.

Wir, andererseits, wollen diese Schickt der Anständigkeit durchbrechen und mit den Leuten, die wir treffen, kleine Monster heranziehen. Alltagsmomente verwandeln sich in schöpferische Ereignisse.

 

Das ist unsere Aufgabe. Mögen die Leute uns helfen.

 

Pekko

Anmerkungen vom ersten Tag im Feld:

1. Ich habe einen „Festivaldieb“ rekrutiert. Kann natürlich nicht preisgeben, wer es ist. Jedoch keinen normalen Dieb, sondern einen, der speziell auf den Festivalkontext ausgerichtet ist: Schmuggelt so ein Dieb Leute in Performances? Vielleicht. Oder schnappt er sich Wertvolles aus dem Erfahrungsschatz der Menge? Wir werden sehen: Momentan scheint sich der Dieb schwer zu tun, Gelegenheiten zum Stehlen zu finden. Ich sollte wahrscheinlich helfen.

2. Es hat den Anschein, dass das Festival von einer Reinkarnation Sitting Bulls geleitet wird. Ein anonymer Hinweis, aber dennoch von einem Experten. Also, wenn Sie sich fragen, was für eine Art Performance Sitting Bull kuratieren würde, offensichtlich ist es PAZZ.

Übersetzung: Katja von der Ropp

Leave A Comment

PAZZ Festival 2012 - Logo