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LETZTE BETRACHTUNGEN VOM STADTRAND

Die Stadt lesen, die Stadt schreiben

Die Stadt legt nahe, dass sie ein Buch zum Lesen ist. Die Gegenstände der Stadt zeigen sich mit klaren Bedeutungen – eine Straße ist eine Straße: Etwas, um vorwärts zu kommen, das gebraucht wird, um an andere Orte zu gelangen. Ein Laden ist ein Laden: Er fragt mich, ob ich etwas brauche, ob etwas fehlt, womit er mich versorgen kann? Eine Bank ist eine Bank: Sie fragt, ob ich hier sitzen möchte, Zeit an diesem Ort zum Ausruhen verbringen will?

Seltsam an diesen „Worten“ der Stadt ist, dass sie nur teilweise der Stadt eingeschrieben sind, sondern meistens uns selbst. Wir haben über die Jahre ein Wissen über die Straße, den Laden, das Café usw. angesammelt und die nötige zusätzliche Bedeutungsschicht in uns selbst geschaffen.

Demnach bringt uns die Stadt dazu, ähnlich wie Bücher, uns selbst zu lesen. Aus irgendeinem Grund lesen wir die Stadt jedoch als andauernde Lektion zu korrektem Verhalten. Das Thema des Stadtbuchs scheint zu sein: Wie sollten ihre Gegenstände angemessen verwendet werden?

Kannst du aber in die Stadt schreiben, oder mit der Stadt schreiben? Ja – der wesentliche Schritt ist es, die Haltung des Schreibenden, des Autors, zu übernehmen. Das öffnet endlose Wege … Zum Beispiel die Stadt beim Schreiben als Material betrachten. Wie würdest du das angebotene Material nutzen? Für welche Erfahrungen und Aktionen? Nehmen wir das Kaufhaus mit all seinen Bildern, implizierten Wünschen, Welten, gebündelten Ergebnissen menschlicher Vorhaben: Vielleicht wird dieser Reichtum unterhalb der Wohlstandsarmut eine Quelle zum Geschichtenerzählen, ein Spiel der Symbole, eine Spekulation über einen, diesen Symbolen innewohnenden Glauben, bzw. eine Reflexion über mögliche, vom Produkt vorgeschlagene, Kulturen.

Du könntest auch schreiben, indem du neue Perspektiven schaffst: Schau dir diese Szenen, die städtische Umgebung als Bühne an, und du wirst sehen, wie sich innerhalb der täglichen Aktivitäten Stücke ausbreiten. Schau sie dir als Erinnerungen an, und rufe dazu Bausteine aus deinem Gedächtnis wach: Wie erinnerst du dich an die Autos, an die Mülleimer? Wie sehen diese Erinnerungen aus, wenn du sie wieder hervorholst?

Oder betrachte das Buch der Stadt als Buch, das geschrieben werden muss, während du liest: halte an (unvermittelt), warte (ohne Grund). Beschwöre die Worte, die das Gesehen beschreiben, aus deinem Geist, und lass sie dann die endlosen Seiten der Stadt füllen… eingenistet in die anderen, ebenso endlosen Seiten.

Pekko

Übersetzung: Katja von der Ropp


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